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Neulich in Wien ... waren wir zu Gast bei einer großen Bank.
Kein Gespräch in Wien ohne die obligatorische Melange und das
Glas Wasser. So auch hier: Unser Gesprächspartner drückt auf
den abgewetzten Knopf der Gegensprechanlage und ruft seine
Sekretärin, um die Bestellung aufzugeben. Dann entschuldigt er
sich, dass es etwas länger dauern würde, da man hierfür eine Cateringgesellschaft engagiert habe. Eine Minute später geht
die Tür auf und die Sekretärin kommt herein. Aber nein, sie
hat nicht die Getränke dabei, sondern ein Formblatt, das unser
Gesprächspartner abzeichnet, damit die Bestellung
ordnungsgemäß weitergeleitet werden kann. 10 Minuten später
steht das Cateringkommando in Form von zwei Personen mit
Melange und Wasser vor uns. Natürlich wieder mit Formular, das
gegenzuzeichnen und mit detaillierten Angaben zum
Gesprächsanlass zu ergänzen ist. Alles im Dienste der guten
Ordnung und um sicherzustellen, dass dieser Kaffee rein
dienstlich und nicht etwa privat getrunken wird :-)
Preisfrage: Was stand in diesem Unternehmen der Innovation im
Weg? Natürlich waren es weder die Branchengesetze noch die 'Nicht-So-Kreativen-Mitarbeiter"
– es war die organistisierte Seuche der Bürokratie.
Wenn Sie Innovation in Ihren Laden bringen wollen, entwickeln
Sie zunächst einmal eine leidenschaftliche und sichtbare
Abneigung gegen Bürokratie. Werden Sie rasend. Löschen Sie
E-Mails. Zerreißen Sie Papiere. Weigern Sie sich, sie zu
lesen. Schwänzen Sie Meetings und - nein - füllen Sie keine
Formulare aus, wenn Sie einen Kaffee trinken wollen.
Viele Grüße!
Anja Förster
& Peter Kreuz


Design-Matters: Unternehmen wie Apple, Sony oder BMW haben es längst erkannt: Design
ist nicht der letzte Arbeitsschritt, der sich auf das Verschönern von
Produkten beschränkt, sondern ein fundamentales
Wertversprechen. Deshalb ist es höchste Zeit, darüber
nachzudenken, wie wir Design als Differenzierungsfaktor nutzen können (mehr).
Querdenk-Praxis:
Motorola Razr
Motorola galt lange Zeit als arrogant und abgehoben. Bei dem
Handyhersteller herrschte eine Ingenieurkultur,
die die eigene Technologie viel zu wichtig nahm und über die
Bedürfnisse der potenziellen Kunden hinwegging. 1999 war die Krise da:
Die Amerikaner hatten die Umstellung von analog auf digital
und den Trend zu Fotohandys verschlafen. Der ehemalige
Weltmarktführer lief Gefahr, in der Versenkung zu
verschwinden.

Mit dem stylischen und superflachen Klapphandy RAZR legte
Motorola jedoch einen dramatischen Turnaround hin.
Der "iPod unter den Handys" hat quasi im Alleingang das
Unternehmen gerettet.
"Weg vom Diktat der Ingenieure, hin zum Primat des Designs"
lautet die Devise des neuen Vorstandschefs Ed Zander. Unter
seiner Ägide legte der Absatz der Mobiltelefone um 60% zu.
Motorolas Marktanteil stieg auf 22% und man liegt weltweit an
zweiter Stelle hinter Nokia (35%) und weit vor Samsung
(12%). Und für Nokia wird es eng: Mit KRZR
und RIZR entwickelte Motorola zwei viel versprechende
Nachfolgemodelle. Und dann wäre da noch das goldene "Dolce & Gabbana RAZR
V3i", eine Design-Kooperation mit der Luxusmarke aus Italien.

Damit die Designabteilung nicht am Markt vorbei gestaltet
wie einst ihre Ingenieurskollegen, zog Motorolas Designteam von der Konzernzentrale im Chicagoer
Hinterland mitten in die Innenstadt von Chicago – als Symbol
dafür, dass das Unternehmen mitten im Leben steht. Der neue
Standort sorgt auch dafür, dass die Designer auf der Straße
täglich ihren Kunden begegnen und sehen, wie die mit ihren
Handys tatsächlich umgehen.
Querdenk-Chance
Motorola hat die Zeichen der Zeit erkannt,
und Design zum Erfolgsfaktor der Marke gemacht - ebenso wie es
andere Unternehmen bereits sehr erfolgreich tun. Das bestätigt
Norio Ohga, ehem. Chairman von Sony:
"Bei Sony gehen wir davon aus, dass die Produkte unserer
Wettbewerber in Bezug auf Technologie, Preis, Leistung und
Merkmale mit unseren eigenen mehr oder weniger identisch sind.
Einzig das Design unterscheidet unsere Produkte von anderen."
Der Mann hat Recht. Es überzeugt die Kunden nicht mehr, wenn man
seinem Produkt von Zeit zu Zeit nur eine neue Hülle verpasst.
Design muss "durchregieren".
Quellen und
weiterführende Informationen
>Homepage Motorola
>Homepage Hellomoto
>Homepage Dolce & Gabbana
>Brand
Eins: Richtig verbunden
>Spiegel: Neue Zungenbrecher von
Motorola
>Mehr Beispiele zu "Design-Matters"

Entdecken Sie Innovationspotenzial
jenseits eng gefasster Produktinnovationen, indem Sie systematisch
die gesamte Kunden-Erfahrungskette und den damit
zusammenhängenden Nutzen - vom Kauf über den Gebrauch bis hin
zur Entsorgung - nach Potenzialen für Neuerungen durchforsten
(mehr).
Querdenk-Praxis: Bauwens
Holzmann machte Pleite, dann Walter Bau, die Zahl der Jobs
sank und sank: Kaum eine Branche verkörpert die
wirtschaftlichen Probleme im Deutschland der letzten Jahre so
wie die Baubranche.
Nur die "Bauwens GmbH & Co. KG"
jammert nicht. Das Kölner Traditionsunternehmen generiert ein jährliches Wachstum von soliden 15 Prozent. Wie
schaffen die das? Nun, Bauwens schwimmt gegen den Strom – und
damit in die richtige Richtung!
Als in den 90er Jahren der Hoch- und Tiefbau-Hype in den neuen
Bundesländern ausbrach, setzte Bauwens auf ein anderes Pferd:
Maschinen und Fuhrpark wurden größtenteils verkauft, und das
Geld in die Weiterbildung der Mitarbeiter investiert. Während
andere im Osten buddelten, transformierten sich die Kölner zu
einem Consulting-Unternehmen.

Die Lohndumping-Konkurrenz brauchen die 275
Mitarbeiter nicht zu fürchten. Das Geld verdienen sie mit
planenden und beratenden Dienstleistungen. Kunden werden zu
Workshops eingeladen - allerdings sind das "keine
Wochenendseminare, wo man gute Vorsätze sammelt und sie am
Montag vergisst", so Patrick Adenauer, der das Unternehmen
mit seinem Bruder Paul führt. "Wir wollen, dass der Kunde
einen Ereignissprung hinkriegt." Dabei käme für alle
Beteiligten mehr raus, "als ein praktisches und schönes
Gebäude". Das visionäre Denken haben sie wohl von ihrem
Großvater Konrad, dem ersten Kanzler der
Bundesrepublik, geerbt.
Querdenk-Chance
"Man muss zunächst mal mutig genug sein, um mit der eigenen
Tradition zu brechen", sagt Patrick Adenauer. Bauwens hat die
Trends der Branche nicht mitgemacht, sondern nach Möglichkeiten
gesucht, um auch
langfristig in einer Krisenbranche "gut zu leben". Mit
seinen Beratungsleistungen hat
das Unternehmen die Hausaufgaben in Richtung
Wissensgesellschaft gemacht und neue Werte für seine Kunden geschaffen – Value
Innovation!
Quellen und weiterführende
Informationen
>Homepage Bauwens
>Der
blinde Fleck, in BrandEins
>Mehr Beispiele zu "Value-Innovation"
>Weitere Beispiele und
Querdenkansätze in "Different Thinking"


Mit dem Status Quo zufrieden geben? Niemals! Und das gilt auch
für die Frage: Wer sind eigentlich unsere Kunden? Richten Sie
den Blick über die existierende Nachfrage hinaus. Eine riesige
neue Zielgruppe wartet darauf, von Ihnen erschlossen zu
werden: Kunden, die bisher gar nicht die Produkte oder
Dienstleistungen Ihrer Branche gekauft haben (mehr)!
Querdenk-Praxis:
Deutsche Grammophon – 99x Klassik
Vor ziemlich genau 119 Jahren, am 29. September 1887
ließ Emil Berliner seine bahnbrechende Erfindung patentieren:
Das Grammophon und die Schallplatte. Ein Jahr später gründete er in
seiner Geburtsstadt Hannover die Deutsche Grammophon
Gesellschaft, Ursprung und heutiges Herzstück des
Weltmarktführers Universal Music Group.
Die Deutsche Grammophon beackert mit klassischer Musik
ein schwieriges Feld: Junge Hörer lassen sich nur noch
schwerlich für die Musik begeistern und die Verkaufszahlen sind rückläufig.
Hinzu kommt, dass Klassikliebhaber gern unter ihresgleichen
fachsimpeln und so einen elitären Zirkel bilden. Eine
dreiteilige CD-Kompilation der Deutschen Grammophon wendet
sich nun an alle "Ausgeschlossenen", die sich für klassische
Musik interessieren, aber nicht viel Vorerfahrung mitbringen.

"99 x Klassik" ist ein "klingendes Lexikon", das diesen Zirkel
der Exklusivität durchbricht. CD 1 erläutert vokale Klassik,
CD 2 Instrumentalmusik. Die dritte CD ist ein Abriss vom
gregorianischen Choral bis zur Moderne, und lässt 99
elementare Musikbegriffe von Stars wie Anne-Sophie Mutter,
Anna Netrebko oder Hobbyorganist Harald Schmidt erklären und
vortragen.

Querdenk-Chance
Statt weiterhin nur auf
die Zielgruppe der traditionellen Klassikhörer zu setzen,
entschloss sich die Deutsche Grammophon,
neue
Zielgruppen an das Thema klassische Musik heranzuführen.
Wer
also schon immer mal
wissen wollte, wie ein "falsches Vibrato" klingt
oder was ein Adagio oder Zwölftonmusik sind und sich nie zu
fragen getraute, dem wird geholfen.
Quellen und
weiterführende Informationen
>Homepage
Deutsche Grammophon
>Die
CD "99*Klassik" bei Amazon.de bestellen
>Mehr Beispiele zu "Customer-Discovery"


Innovationen müssen nicht immer nur das Produkt oder die
Dienstleistung betreffen. Auch die Art und Weise, wie – wo –
und wann – Ihr Leistungsangebot den Kunden erreicht, kann
nachhaltigen Kundenwert schaffen und Ihr Angebot einzigartig positionieren: Re-Channeling.
Querdenk-Praxis: Minox
Berühmt wurde Minox, der Kamerahersteller aus Wetzlar, mit
einer Legende: die Riga Minox, benannt nach dem
Herstellungsort, ist so winzig, dass sie angeblich sogar beim
Geheimdienst verwendet wurde. Nachdem sie der Kino-Agent James
Bond benutzte, wurde sie weltbekannt. 1988 war Minox
dann pleite. Wie viele andere aus der Branche hatte man die
Konkurrenz aus Asien und das digitale Zeitalter verschlafen.
Dank cleverem Re-Channeling schreibt Minox heute aber wieder
tiefschwarze Zahlen. Man meidet Discounter und auch in
den Schaufenstern des krisengeschüttelten Fachhandels findet
man sie eher selten. Minox wird dort verkauft, wo die Aufmerksamkeit
anscheinend am größten ist: Über den Wolken!

Siebzehn Fluggesellschaften, darunter Lufthansa, Singapore Airlines
und die niederländische KLM, führen Minox-Kameras im Bordkatalog. Auch
über das Magazin der Deutschen Bahn sind sie erhältlich: "Da
haben die Kunden mehr Zeit. Wir verkaufen unsere Kameras dort
sehr erfolgreich", sagt Geschäftsführer Thorsten Kortemeier.
Gerade bei Geschäftsreisenden sind die "Spionagekameras" als
Mitbringsel "Made in Germany" äußerst beliebt.

Querdenk-Chance
Mit zunehmender
Reisegeschwindigkeit steigt offenbar die Spendierlaune und
damit die Verkaufszahlen der kleinen Kameraklassiker.
Der Verkauf zu Luft und auf Schienen macht mehr als die Hälfte
des weltweiten Umsatzes aus! Dank des Nischenvertriebs hat das
Unternehmen aus Wetzlar Rückenwind. Minox knüpft mit dieser
Strategie nicht nur an den Innovationsgeist von Firmengründer
und Erfinder Walter Zapp an, sondern ist auch genau dort
präsent, wo die Kunden sind.
Quellen und weiterführende
Informationen
>Homepage
von Minox
>Minox
bei Wikipedia
>Weitere Beispiele und
Querdenkansätze in "Different Thinking"


In Deutschland ist jeder Vierte mit seinem Körper unzufrieden,
am häufigsten mit dem Umfang. Da würden natürlich auch Sport
und Diät helfen, aber es soll alles "convenient" sein. Nun
gibt es Hoffnung aus dem Wunderland der Diätpillen und
Appetitzügler:
CLAmor - Spray-on Weight Loss. Das Wundermittel wird einfach auf die Mahlzeiten
gesprüht und mitgegessen. Das körpereigene Fettgewebe soll
dann alsbald dahin schmelzen, so dass sich nach 4 Wochen ein neuer, schlanker
Mensch in den Fettaugen der Suppe spiegelt.

Hat uns das etwa noch gefehlt? Anscheinend ja – der Hersteller
verspricht allen Ernstes, dass man CLAmor als
natürliches Nahrungsergänzungsmittel auf die Pommes, das Eis
oder die Currywurst sprühen solle und dann abnehmen würde. Wie
sagte Albert Einstein so schön: "Zwei Dinge sind unendlich:
der Weltraum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum
bin ich mir nicht ganz sicher."



Die Business-Querdenker und Financial Times
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Anja Förster und
Dr.
Peter Kreuz gehören zu einer neuen Generation von
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Redaktion
Anja Förster, Moritz Jäger, Peter Kreuz
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