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Ausgabe 64
Mai 2007



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Bei unserem Besuch in China Anfang des Monats sahen wir es: Der Elch ist auch in Peking und Shanghai angekommen. In beiden Städten finden sich riesige Ikea-Möbelhäuser, die sich insbesondere bei der jungen urbanen Zielgruppe großer Beliebtheit erfreuen. Allerdings funktioniert in China der Möbelkauf anders, als wir es gewohnt sind: Man bringt zum "Einkauf" gern mal seinen Schreiner mit. Dieser vermisst dann die bei Ikea ausgestellten Möbelstücke und baut sie dem Auftraggeber zu einem billigeren Preis nach :-)

Als wir diese Geschichte hörten, mussten wir grinsen. Scheint sie doch alle Vorteile zu bestätigen: Die Chinesen sind Weltmeister im Kopieren.

Aber Vorsicht: das stimmt nur noch zum Teil. China ist entschlossen, seine Schwächen – angefangen beim kreativen Denken – zu überwinden, um uns auch dort Paroli zu bieten, wo wir noch unsere Stärken haben. In dem Land, in dem 1,3 Milliarden Menschen leben, sind die Universitäten gerade dabei, in die Reihen der besten akademischen Eliteeinrichtungen vorzurücken. Global Player unterhalten Forschungszentren in China und die Menschen dort sind hungrig auf Bildung, gute Jobs und einen ebensolchen Lebensstandard.

Bill Gates weiß die klugen Köpfe in China zu schätzen und bewertet Microsoft Research Asia, das Forschungszentrum in Peking "im Hinblick auf die Qualität der Ideen" als produktivste Forschungsabteilung im Microsoft System.

Der Wind weht uns ins Gesicht. Und wer heute nicht daran arbeitet, einzigartige Fähigkeiten zu entwickeln, wird spätestens morgen mit 1,3 Milliarden Chinesen konkurrieren.

Mit außergewöhnlichen Grüßen!
Anja Förster & Peter Kreuz








Underground Innovationen spielen sich nicht an der Oberfläche ab, sondern dort, wo der Kunde nicht hinschauen kann: Im Untergrund. Es geht um Innovationen in Produktion, Verkaufsabwicklung, Einkauf, Lagerhaltung, etc. - das alles mit einem Ziel: Dem Kunden einen noch nie da gewesenen Wert zu liefern...

Querdenk-Praxis: Yotel – Der Kunde muss ins Eckige

"Ich liebe Hotels. Aber wer fühlt sich bei einem Preis von 300 Pfund pro Nacht nicht übers Ohr gehauen?" klagt Ex-Roadie Simon Woodroffe aus London. Aber auch mit den Billighotels hat er seine Probleme: Die japanischen Kapselhotels oder die französische Billighotelkette "Formule 1" findet er einfach nur grauenhaft: Der Gast nächtigt in einer ungemütlichen Wohnschachtel ohne Fernseher und Bilder an den Wänden (was wahrscheinlich auch besser so ist). Nun startet Woodroffe mit einem eigenen Hotelkonzept namens "Yotel". Sein Versprechen: es wird alles anders, weil billiger und besser. Es handelt sich um ein neues Hotelkonzept mit Zimmern, die sich "First Class" anfühlen, aber trotzdem preiswert sind.



Die Architektur der Zimmer ist eine bis ins kleinste Detail durchdachte Underground Innovation, deren Wohlfühl-Wirkung der Gast vor allem unbewusst wahrnimmt. Gleichzeitig zielt das Yotelkonzept darauf ab, die Kosten für den laufenden Hotelbetrieb clever zu reduzieren. So gehen die Fenster nicht zur Straße oder zum Innenhof, sondern zum Flur. Damit man sich trotzdem nicht eingeschlossen fühlt, leitet ein ausgeklügeltes Lichtkonzept Tageslicht von oben ins Gebäudeinnere. Mit diesem Trick können Yotels praktisch in jeder Immobilie eröffnet werden, was wiederum in Metropolen wie London irrsinnig viel Geld spart: "Wir können Yotels unterirdisch einbauen, in Parkhäuser, Bahnhöfe oder Flughäfen", so die Betreiber.



Bei der Einrichtung der gut 9 Quadratmeter kleinen Zimmern wurde nicht gespart: Vom Flachbildschirm bis zur Monsundusche ist alles da, die Materialien sind gediegen. Dafür spart Yotel unter anderem an den Reinigungskosten: "Unsere Untersuchungen ergaben, dass Menschen in kleinen Räumen sehr viel ordentlicher sind als in großen Räumen. Ein herkömmliches Hotelzimmer gründlich zu reinigen dauert deshalb eine gute halbe Stunde – unsere pflegeleichten Zimmer nur zehn Minuten."

Und jetzt der Preis: Für ein 4-Sterne-Hotel in London sind 55 Pfund (etwa 80 Euro) ein Schnäppchen. Und wer nur auf der Durchreise ist, kann Yotel auch nur für vier Stunden für umgerechnet etwa 35 Euro nutzen. Nach viel versprechenden Testreihen eröffnet das erste Yotel diesen Monat am Flughafen Gatwick. Weitere Standorte folgen – und wir sind schon gespannt, wo!


Querdenk-Chance

Bei Underground Innovationen geht es um clevere Neuerungen hinter den Kulissen, von denen der Kunde nichts merkt – und dennoch begeistert ist. Sollte sich das Yotel-Konzept erfolgreich etablieren, werden die Wettbewerber reagieren müssen. Und das wird aufgrund der im 4-Sterne-Segment üblichen Kostenstrukturen nicht einfach sein. Und noch etwas: Yotel ist mit dem Anspruch angetreten, etwas zu realisieren, was zunächst widersprüchlich klingt: Nämlich ein Angebot radikal zu verbilligen, ohne dass der Kunde auf Qualität verzichten muss. Wenn es bei Yotel funktioniert, dann höchstwahrscheinlich auch bei Ihnen!

Quellen und weiterführende Informationen
>Homepage Yotel

>CNN,  Goodbye mini bar, hello mini room
>Thisistravel, Yotel rooms: what are they really like?
>Mehr Quergedachtes: Alles, außer gewöhnlich & Different Thinking







Innovationen müssen nicht immer nur das Produkt oder die Dienstleistung betreffen. Auch die Art und Weise, wie – wo – und wann – Ihr Leistungsangebot den Kunden erreicht, kann nachhaltigen Kundenwert schaffen und Ihr Angebot einzigartig positionieren: Re-Channeling.

Querdenk-Praxis: Metropolitan Opera New York – Met meets Web

Klassische Musik hat seit Jahren mit Hörerschwund zu kämpfen. Nun versucht die Klassikbranche diesem Trend mit kreativen Ideen entgegenzutreten: Das London Symphony Orchestra hat eine Klassik-CD für Babys und Kleinkinder herausgebracht, um sie schon früh auf die richtige Tonspur zu setzen. Der Hörbuch-Bestseller "99 x Klassik" (siehe Beratungsletter 9/2006 ) setzt eher auf Autofahrer und Hausfrauen. Goldkehlchen Anna Netrebko setzt ihre Werbewirkung für die Generation iPod gekonnt in Szene. Und die Süddeutsche Zeitung setzte dem gefürchteten Berufskritiker Joachim Kaiser ein Denkmal. Die "Klavier Kaiser" Compilation dürfte sich auch zahlreich an solche Leser verkauft haben, denen der Sportteil der SZ schon kulturlastig genug erscheint.



Und jetzt die altehrwürdige New Yorker Metropolitan Opera. Um ihre Reichweite über die traditionellen Fanzirkel hinaus zu erweitern, sendet die "Met" seit kurzem auf allen Kanälen: Via Breitband werden Konzerte und Opernaufführungen als Live Webcast in Echtzeit und hervorragender Qualität auf den heimischen PC sowie in ausgewählte Kinosäle zwischen East- und Westcoast übertragen.



Das ist neu – aber ist es ein Verbrechen, sich Bruckners Siebte bei Coke und Popcorn im Kino reinzuziehen? Zu Hause kann man das sogar in Schlafanzug und Pantoffeln tun und sich die Met auf ihrem eigenen Kanal beim "Sirius Satellite Radio" anhören. 24 Stunden am Tag, an 7 Tagen pro Woche. Klassikherz, was willst Du mehr? Nun ja, vielleicht doch mal eine Eintrittskarte ergattern, um die Atmosphäre im Lincoln Center live zu erleben...


Querdenk-Chance

Für die Klassische Musik ist es eine echte Herausforderung, neue Hörerkreise zu erschließen. Schnell fühlt sich das eingeschworene Stammklientel verstoßen und prophezeit den Untergang des Abendlandes, wenn nicht sogar schlimmeres. Sollte diese Prognose tatsächlich eintreten, und die Zukunft der klassischen Musik so düster sein wie die derzeitige Inszenierung von Wagners Parsifal in Wien, dann sollte allen Klassikfans so viel wie möglich daran gelegen sein, Menschen mit den höheren Weihen der E-Musik zu segnen. Die New Yorker Metropolitan Opera ist sich jedenfalls nicht zu schade, auf den gleichen Kanälen zu funken wie gehypte Castingbands oder Deutschlands angebliche Superstars.

Quellen und weiterführende Informationen
>Homepage: Metropolitan Opera
>Metropolitan Opera On Air & Online
>London Symphony Orchestra
>Hörbuch-Bestseller "99 x Klassik"
>Der Klavier Kaiser
>Mehr Quergedachtes: Alles, außer gewöhnlich & Different Thinking




Tourkalender von Anja Förster & Peter Kreuz





Value Innovation – Entdecken Sie Innovationspotenzial jenseits eng gefasster Produktinnovationen, indem Sie systematisch die gesamte Kunden-Erfahrungskette und den damit zusammenhängenden Nutzen - vom Kauf über den Gebrauch bis hin zur Entsorgung - nach Potenzialen für Neuerungen durchforsten (mehr).

Querdenk-Praxis: KLM Club China – Jetten und Chatten

Fluggesellschaften versuchen so einiges, um ihre Kundschaft nicht der Konkurrenz zu überlassen. Bonusmeilen oder Frühbucherrabatte sollen die Loyalität stärken. Aber reicht das? Ein interessantes Konzept, Passagieren einen Mehrwert zu bieten, kommt von der niederländischen Fluglinie KLM. Entwaffnend einfach setzt die Airline dort an, wo man keinen Mehrwert vermuten würde: Nämlich bei der Tatsache, dass man auf einem Langstreckenflug 10 Stunden oder länger mit fremden Menschen auf engstem Raum zusammensitzt. Eigentlich eine Horrorvorstellung...



KLM aber hat erkannt, dass Geschäftsreisende, die regelmäßig die gleiche Destination anfliegen, ein ähnliches "Mindset" haben: Ähnliche berufliche Ziele, ähnliche Probleme im Ausland, vielleicht auch einen ähnlichen Karriereverlauf und ähnliche Freizeitinteressen. Einen Großteil der Business-Class-Passagiere verbindet also mehr, als man ahnt. Und doch ist das, was auf der Visitenkarte steht, oft das einzige, was man nach der Landung vom netten Sitznachbarn behält.



Mit dem "Club China" bringt die KLM nun System in diese zufällig zusammen gewürfelten Schicksalsgemeinschaften. Der Club China ist eine Online-Forum, das Fluggästen die Möglichkeit bietet, schon vor der Reise mit potentiellen Geschäftspartnern anzubandeln – oder nach einer netten Begegnung unkompliziert in Kontakt zu bleiben. Der Club China ist eine Plattform, die behilflich ist, Erfahrungen auszutauschen, in rechtlichen Dingen Rat einzuholen oder ein Übersetzungsbüro aufzutun. Darüber hinaus organisiert die KLM für Clubmitglieder Networking Events in China und den Niederlanden.





Querdenk-Chance

Während andere Airlines an den Menüs oder am Unterhaltungsangebot herumfeilen, schafft KLM echte Mehrwerte – und zwar mit dem Wissen ihrer Passagiere. Als erste Fluglinie mit Kunden-Community landete sie auf Anhieb einen Volltreffer: Bereits über 3.000 Mitglieder besuchen den Club China regelmäßig. Aber dabei bleibt es nicht. Weil dieser clevere Value-Innovation-Ansatz grenzenlos ist, hostet KLM seit kurzem auch den "Club Africa". Andere Boomregionen wie Indien oder Russland dürften wohl bald folgen. Und welche Werte schlummern in Ihrer Kundendatei vor sich hin?

Quellen und weiterführende Informationen
>Homepage KLM Club China
>Springwise über KLM Club China
>Mehr Beispiele zu "Value Innovation"
>Mehr Quergedachtes: Alles, außer gewöhnlich & Different Thinking



Vorträge von Anja Förster & Peter Kreuz





Ideen der Wettbewerber kopieren - das kann jeder. Clevere Querdenker blicken über die konventionellen Grenzen des Wettbewerbs hinaus und suchen ganz gezielt in vollkommen fremden Branchen nach Innovationsideen (mehr).


Querdenk-Praxis: Hilti Flottenmanagement – Da hängt der Hammer!


Flottenmanagement – das kennt man doch von Fuhrparks, oder? Fast richtig, denn man kennt es nur von dort. Zumindest bisher. Die Hilti AG (richtig, der Ronaldinho unter den Bohrhämmern) hat dieses Konzept nun aufgegriffen und auf die Werkzeugbranche übertragen: Hilti stellt Kunden, meist Baufirmen, eine den Bedürfnissen entsprechende Geräteflotte zur Verfügung und kassiert eine monatliche Gebühr für diese Dienstleistung.




Dieses Rundum-Sorglos-Paket beinhaltet außerdem Finanzierungsmodelle, Reparaturservice, Diebstahlversicherung und die Bereitstellung neuer Modelle nach Ablauf der vereinbarten Nutzungsdauer. Die Vorteile für die Kunden liegen ganz klar in der Verschlankung der eigenen Bilanz sowie in der Auslagerung von administrativen Prozessen. Zudem können unerwartete Bedarfsspitzen unkompliziert durch Nachordern der zusätzlich benötigten Werkzeuge abgefangen werden. Mit dem Hilti Flottenmanagement ist man viele unnötige Sorgen los und begleicht stattdessen nur eine einzige Rechnung im Monat. Das sorgt für Kostentransparenz und entlastet Rechnungswesen und Controlling.



"Dies ist einer der Erfolgsgründe unseres Geschäftsmodells: Die ständige Verbesserung", so Pius Baschera, 13 Jahre lang CEO und seit kurzem Aufsichtsratspräsident. Der Werkzeugschmiede mit Sitz im liechtensteinischen Schaan geht es "fantastisch". Und dennoch gibt man sich nicht zufrieden, obwohl es "immer noch besser läuft". Im Geschäftsjahr 2006 stieg der Nettoumsatz um 13% auf 4,118 Mrd. CHF, der Reingewinn um 21% auf 344 Mio. CHF. Damit lässt sich gut in Forschung, Entwicklung und 360-Grad-Querdenken investieren – und gibt Billiganbietern aus China keine Chance.


Querdenk-Chance


"Unsere Produkte sind hochpreisiger als die der Konkurrenz, dafür bieten wir aber auch mehr", so das Credo der Liechtensteiner. Hilti ist der Inbegriff für Qualität und Zuverlässigkeit am Bau - aber das allein reicht nicht mehr, um die Spitze zu verteidigen. Das Flottenmanagement hat schon fast ein Zehntel der insgesamt gut 100.000 Kunden überzeugt, und man fragt sich: Warum ist da vorher noch keiner draufgekommen?

Quellen und weiterführende Informationen
>Homepage Hilti
>Broschüre Hilti Fleetmanagement (pdf)
>Mehr Beispiele zu "360-Grad-Blick"
>Mehr Quergedachtes: Alles, außer gewöhnlich & Different Thinking




Bestseller von Anja Förster & Peter Kreuz: ALLES, AUSSER GEWÖHNLICH und DIFFERENT THINKING





Schmerzens- statt Trinkgeld! Hau den Kellner für 5 Euro

Zum Abschluss noch ein skurriles Geschäftsmodell aus China. In Nanjing hat vor kurzem eine Bar mit dem Namen "Zur aufgehenden Sonne und zum Abbau von Ärger" eröffnet. Sie richtet sich an frustrierte Frauen.



Für diese Zielgruppe stehen 20 tolerante Kellner zur Verfügung, die von den weiblichen Gästen nach Belieben verprügelt werden dürfen. Für 50 Yuan (etwa 5 Euro) ist schon mal 'ne Ohrfeige drin. Für eine Totalvermöbelung sind etwa 300 Yuan fällig, Randalieren ist da schon inklusive. Und wenn's durch Kloppe nicht besser wird, gibt's Klapse: Ein Psychologe kann ebenfalls in Anspruch genommen werden – aber auf herkömmliche Weise! Männern ist der Eintritt zu diesem Etablissement übrigens untersagt.











Die Business-Querdenker und Financial Times Bestsellerautoren Anja Förster und Dr. Peter Kreuz gehören zu einer neuen Generation von Wirtschaftsvordenkern: Leidenschaftlich unkonventionell kämpfen sie für die Befreiung aus Denkschablonen, das Ablegen von Scheuklappen und das Verlassen ausgetretener Pfade.

            
     

Ihr Labor für Business Querdenken ist die weltweit einzige Organisation, die auf allen fünf Kontinenten nach unkonventionellen und erfolgreichen Geschäftskonzepten forscht und nach den Menschen, die dahinter stehen.

Zu ihren Kunden zählen die Führungsetagen von Bayer, BMW, SAP, Siemens und weiterer namhafter Unternehmen.

Wenn Sie Förster & Kreuz buchen möchten, kontaktieren Sie Petra Steurer:
Tel. +41 (0)71 7446522;


Mehr Infos gibt's hier:
>Förster & Kreuz: In Vorträgen
        >Förster & Kreuz: In Büchern
>Förster & Kreuz: In Person          
 >Querdenk-Labor
>Querdenk-Cast

 


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Redaktion
Anja Förster, Moritz Jäger, Peter Kreuz
 

 
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